Was man vielleicht mal gehört haben sollte

Immer wieder liest man in Anzeigen Hinweise, dass die Elterntier auf verschiedene Erbkrankheiten getestet sind, dann folgen Hieroglyphen, aber was bedeuten sie überhaupt.

Als erste Krankheit habe ich die Krankheit CCL (Punkt 1) herausgefischt. 

Unter Punkt 2 gehe ich auf PLL und PRA und rcd4 ein. (noch in Bearbeitung)

Unter Punkt 3 geht es um HD, ED und PL. (noch in Bearbeitung)

 

Punkt 1

KTR - Internationaler Klub für Tibetische Hunderassen e.V.
Info zur CCL - Stand 12/2009 
Erfolg zur Bekämpfung der Genkrankheit CCL
(Canine Ceroid Lipofuscinose) beim Tibet Terrier


15.11.2009 Bis zum heutigen Tag wurden 371 Hunde auf CCL getestet:
371 untersuchte Tibet Terrier
57% frei
39% Träger
4% Unsicher

Die unsichtbare Gefahr schlummert also in einer sehr großen Anzahl unserer Tibet Terrier und mit nicht untersuchten Hunden zu züchten würde bedeuten russisch Roulett zu spielen. 

Info zur CCL - Stand 12/2009
Canine Ceroid Lipofuscinose / Neuronale Ceroid Lipofuscinose
(Speicher Krankheit)
Canine Ceroid Lipofuscinose (CCL) ist eine metabolische Krankheit, die die Nervenzellen des
Körpers beeinflusst. Allgemein gekennzeichnet als Speicherkrankheit.
Ceroid Lipofuscinose wird durch das Fehlen von einem Enzym verursacht, durch das sich ein
Stoffwechselabfallprodukt (Ceroid Lipofuscin) in den Körperzellen ansammelt. Das Ceroid
Lipofuscin wird überwiegend im nervösen System, besonders in den Neuronen abgelagert.
Gehirnzellen sind in ihrer Natur ziemlich kompakt und haben sehr wenig Raum für die Lagerung
von Abfallprodukten. Durch die Ablagerung in einem spezifischen Bereich des Gehirns, kann es
zu Kompressionen und etwaigen Zerstörungen von gesunden Gehirnzellen kommen.
Hunde entwickeln die Ceroid Lipofuscinose nicht, sie werden mit dieser Anlage geboren. Bei der
Geburt jedoch sind sie asymptomatisch, d.h. die Welpen entwickeln sich ganz normal, wie ihre
gesunden Geschwister. Die Krankheit verläuft chronisch progressiv. Dies bedeutet, dass bei
einem Hund, der das mutierte Gen sowohl vom Vater als auch von der Mutter bekommen hat,
die Krankheit immer ausbricht und der Zustand des Hundes nach Ausbruch fortlaufend
schlechter wird. Die Vererbung verläuft rezessiv, das heißt beide Eltern müssen Träger sein,
damit ein Hund erkrankt.
Das Ceroid Lipofuscin benötigt einige Zeit, sich in den Zellen anzusammeln, bevor es zu einem
Punkt kommt, an dem es für die Zellen schädlich wird. Obwohl die CCL eine angeborene
Erkrankung ist, tritt sie typischerweise beim Tibet Terrier erst in einem Alter von 6 bis 8 Jahren
mit schleichendem Krankheitsverlauf auf.
Erste Symptome sind:
Angst vor vertrauten Gegenständen und Personen, Reißen, Beißen, unverhältnismäßige
Reaktionen auf Gehör-, Sicht- oder Tastanregung, anormaler Gang (unsicher auf den Füßen, hat
Schwierigkeit mit dem Springen oder dem Klettern), Einknicken der Hinterhand, abnormes
Verhalten (Hyperaktivität, Raserei).
Im späten Stadium treten auch Krampfanfälle auf, die oft mit Epilepsie verwechselt werden.
Anmerkung:
Eine Behandlung gibt es derzeit nicht. Therapeutische Ansätze, die zum Erfolg führen, sind nicht
bekannt.
Daher ist der Markertest ein Glücksfall für die Tibet Terrier Zucht.
Durch diesen Test wird es gelingen Züchtern vor der Verpaarung die Sicherheit zu geben,
dass sie keine an CCL erkrankenden Hunde züchten.
KTR - Internationaler Klub für Tibetische Hunderassen e.V.
Info zur CCL - Stand 12/2009 Seite 4 von 5
Sollte auch mit Anlageträgern gezüchtet werden??
Um die genetische Varianz zu behalten, sollten bzw. aus meiner Sicht müssen wir unbedingt auch mit Hunden züchten, die Anlageträger sind (selbstverständlich immer nur in Kombination mit einem „Anlagefreien“ Hund), denn:
Gene sind - vereinfacht betrachtet - nichts anderes als Aufbauanweisungen für Proteine
verschiedenster Funktionen, die praktisch diejenigen Werkzeuge darstellen, die der Organismus
braucht, um zu funktionieren. Und je größer die Auswahl an diesen genkodierten Werkzeugen
ist, umso besser funktioniert der Organismus unter den unterschiedlichsten Bedingungen.
Spartanisch ausgestattete Organismen - das sind solche mit geringer genetischer Varianz, die
zwar alle notwendigen Werkzeuge besitzen, aber jedes nur in einer ganz bestimmten Form oder
Größe, können unter bestimmten Bedingungen durchaus funktionieren. Nämlich dann, wenn für
die entsprechende Umwelt genau die richtigen und geeigneten Werkzeuge vorhanden sind.
Ändert sich aber die Umwelt und damit die Anforderungen an die Werkzeuge, dann kommt es zu
Funktionsstörungen - das Tier wird krank.
Je größer die Vielfalt an Werkzeugen, die ein Organismus besitzt, umso besser kann er sich mit
wechselnden Umweltbedingungen richtig auseinandersetzen. In der Praxis bedeutet das, dass
ein Hund z.B. mit Futterumstellungen besser zurecht kommt, mit Infektionen besser fertig wird,
aber auch Stress oder psychische Belastungen besser bewältigen kann.
Jede Körperzelle trägt auf ihren Chromosomen die gesamte Erbinformation des betreffenden
Individuums in doppelter Ausführung. Jeder Welpe erhält die eine Hälfte von dem Vater und die
andere Hälfte der Informationen von der Mutter.
Bei unserem Beispiel ist der Vater Anlagefrei (Erbinformation ist AA) und die Mutter ist
Anlageträger (Erbinformation ist Aa).
Der Wahrscheinlichkeit nach werden 50% der Welpen Anlagefrei und 50% Anlageträger.

Aber keiner bekommt die Anlage aa und somit bleiben alle Welpen gesund. 

Info zur CCL - Stand 12/2009
Erst nach Einsatz vieler Keimzellen von beiden Seiten, d.h. praktisch bei einer Zahl von mehr als
50 Nachkommen ein und dergleichen Verpaarung, kämen wir zu den von Mendel beobachteten
statistischen Verteilungen von 50% AA, 50% Aa.
Es können also in einem Wurf von „Anlagefrei x Anlageträger“ auch andere prozentuale
Verteilungen herauskommen, allerdings niemals ein kranker Hund mit der (Erbinformation aa).
„Anlageträger“ heißt nur und ausschließlich: der Hund trägt ein gesundes und ein defektes
Gen, ohne jedoch zu erkranken. Mit einem „Anlagefreien“ Hund verpaart, kann die Krankheit
auch nie ausbrechen – die Welpen wären entweder „Anlageträger oder Anlagefrei“.
Und noch etwas:
ein „Anlageträger“ hat dieselbe Lebenserwartung und Vitalität wie ein „Anlagefreier“ Hund.

Ab nun beginnt eine neue Zeitrechnung!!
In Zukunft müssen sicherlich keine Hunde mehr gezüchtet werden, die an einer CCL oder
an einer PLL erkranken werden.
Es sollte ab sofort nur noch mit getesteten Hunden gezüchtet werden!

 

Punkt 2 PLL, PRA rcd4

Die PLL oder Primäre Linsenluxation. Hier handelt es sich um eine Augenerkrankung, bei der sich die Linse eines, oder auch beider Augen unter Schmerzen löst. Wie auch bei der CCL wird die Krankheit rezessiv vererbt, das heißt nur wenn beide Elternteile Träger der Krankheit sind, können auch erkrankte Welpen entstehen. Durch einen Gentest kann die unsichtbare Gefahr von gesund erscheinenden Anlagenträgern entlarvt werden.  

 

Die PRA oder progressive Retina Atrophie ist gleich ein ganzer Augenerkrankungskomplex. 

Leider ist es hier noch nicht möglich, alle Erkrankungen mit einem Gentest zu untersuchen. Spezielle Untersuchungen in regelmäßigen Abständen können die Erkrankung frühzeitig enddecken. Für eine der Erkrankungen, die rcd4 gibt es seit kurzem endlich einen Gentest.

 

Punkt 3 HD, ED und PL

Allen drei Krankheiten sind  Beschwerden des Bewegungsapparates. Als HD bezeichnet man die Hüftdysplasie eine Fehlbildung des Hüftkopfes. Der Hüftkopf liegt dabei nicht optimal in der Hüftpfanne. Ähnlich liegt es auch bei der ED, der Ellenbogendysplasie. Durch Röntgenaufnahmen unter Narkose können Winkelung und Stellung kontrolliert werden. Dabei wird die Krankheit in verschiedene Klassen unterteilt. A heißt die Hüfte/ Ellenbogen ist völlig in Ordnung, Klasse zwei heißte B. Hierbei gibt es Stellen die nicht eindeutig beurteilt werden können, dies wird als Übergangsform bezeichnet. Klasse C  zeigt leichte krankhafte Veränderungen. Mit A und B darf uneingeschränkt gezüchtet werden, Klasse C darf nur mit Klasse A verpaart werden. Mit Hunden der Klasse D bis E darf nicht gezüchtet werden. 

Bei der HD/ED gibt es jedoch leider viele Grauzonen. Legt man die Röntgenaufnahmen eines Hundes drei verschiedenen Tierärzten vor, wird man vermutlich drei unterschiedliche Bewertungen erhalten. Auch das Alter eines Hundes spielt eine Rolle. Hat ein einjähriger Hund noch ein A, hat er mit 2 Jahren vielleicht schon ein B oder C.

Dann kommt noch hinzu, das HD Polygen vererbt wird. Das heißt nicht ein Gen beeinflusst  die Entstehung einer HD, sondern viele verschiedene. Man kann sich das gut vorstellen wenn man sich eine Tüte mit 1000 Bällen vorstellt. 100 sind rot und gelten als HD verursachend, 900 sind blau und gesund. Sie sind gut gemischt. Nun füllt man die Bälle in Eimer. Immer 100 in einen. Um HD auszulösen müssen mindestens fünf Bälle im Eimer sein, das nennt man Schwellenwert. Das hat im Moment also einfach viel mit Glück und Pech zu tun. Allerdings sind größere Rassen deutlich häufiger von HD und ED betroffen wie kleinere Rassen. Und ein großer Hund mit einer HD C kann unter umständen deutlich mehr gesundheitlich eingeschränkt sein, wie ein kleiner Hund mit dem gleichen Befund. 

Und um die Sache perfekt zu machen, wird multifaktoriell beeinflusst. Das heißt HD wird nicht nur vererbt, sondern kann auch noch durch äußere Einflüsse entstehen. So kann ein Welpe, der zu früh zu stark Belastet wird, oder durch eine Futterunter- oder Überversorgung eine HD entwickeln, die nichts mit der Vererbung zu tun hat. 

Die Wissenschaft ist jedoch auf der Suche nach Genmarkern, mit denen ein Träger der Krankheit vielleicht bald so eindeutig identifiziert werden kann, wie bei CCL oder PLL.

 

Mit PL ist die Patella Luxation gemeint.

Hierbei geht es um die Lage der Kniescheibe. Sicher haben sie schon mal einen kleinen Hund gesehen, der plötzlich eines seiner Hinterbeine nicht mehr nutzt. Wenige Augenblicke später läuft er jedoch wieder völlig normal. Häufig ist dann die Kniescheibe verrutscht und aus seiner Führung gesprungen. Ein paar Schritte weiter ist sie dann wieder an dem dafür vorgesehenen Platz zurück geglitten. Beim Tierarzt wird der Zuchthund daraufhin untersucht, da die Luxation zu schmerzhaftem Verschleiß führt, der nur mit einer OP behoben werden kann. Der Tierarzt versucht die Kniescheibe zu Luxieren. Je nachdem ob und in welchem Maße das möglich ist wird das in verschiedene Grade 0 bis 4 unterteilt. Bei Grad Null kann die Kniescheibe nicht luxiert werden, bei Grad 1 kann der Tierarzt die Kniescheibe herausdrücken, sie springt jedoch spontan zurück. Bei Grad 2 springt die Kniescheibe durch Bewegung zurück. Bei Grad drei muss die Kniescheibe zurück gedrückt werden. Bei Grad 4 ist die Kniescheibe dauerhaft herausgesprungen.

Sehr kleine Rassen sind deutlich häufiger betroffen, wie große Rassen.